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Bauernhof für Jung und Alt - Haug am Brückele eV.

Gerne unterstützen wir von Seite der VR-Stiftung für Bürger am Bayerischen Bodensee die Sanierung der Südseite und des Daches. Lesen Sie dazu den Artikel in der Lindauer Zeitung, die über dieses für den Verein große Projekt geschrieben hat.

Lindauer Zeitung - 07/01-2020

Verein Bauernhof für Jung und Alt startet Fassadensanierung und hofft auf Unterstützung

Isabel de Placido

Lindau

Es steht unter Denkmalschutz und dürfte wohl eines der letzten Bauernhäuser seiner Art in Lindau sein. Und trotzdem ist das Haug am kein Museum, sondern ein Haus, unter dessen Dach sich Jung und Alt begegnen, um voneinander zu lernen, und wo obendrein noch jede Menge Leben stattfindet. Doch jetzt muss dieses Dach erneuert werden. Und auch die Schindelfassade hat eine Grundsanierung nötig. Beides stellt den Verein Bauernhof für Jung und Alt vor riesige Herausforderungen.

„Wir wollen das Haus für die Bürger erhalten“, sagt Werner Berlage, und betont, dass das Haug am Brückele sowieso schon längst zum „öffentlichen Raum“ geworden ist, den seit Jahren immer wieder viele Lindauer besuchen. Sei es, wenn sie mit irgendetwas, was kaputt gegangen ist, in die Reparaturwerkstatt kommen, oder das legendäre „Mohnblütenfest“ besuchen oder „Weihnachten, wie es früher war“ erleben. „Von daher ist es ein öffentliches Interesse, dass das Haug am Brückele bestehen bleibt.“

Und wirklich: Erst wenige Tage ist es her, dass sich die Tür zur Weihnachtsstube im Haug am Brückele geöffnet hat. Die schmucke Märklin-Eisenbahn ist noch aufgebaut, in den diversen Puppenstuben mit den Küchen und Wohnzimmern von anno dazumal sitzen die Puppenfamilien vor den Christbäumen, und im alten Kaufmannsladen stapeln sich die Ata-, Maggi- und Leibnizschächtelchen neben den Lebewohl-, Erdal- und Niveadöschen. Der grüne Kachelofen in der gemütlichen Stube strahlt noch einen Rest Wärme ab. An dem langen Holztisch, an dem man sich locker jene Großfamilie beim Mittagessen über ihre Teller gebeugt vorstellen kann, die vor 100 Jahren noch den Hof im Herzen von Reutin bewirtschaftet hat, sitzen an diesem Abend einige jener Gesichter, die man heutzutage mit dem Verein und dem Haus verbindet: Nicola Kristukat, Roland Wierer, Edgar Löhr, Hans Schweikert und Klaus Burger. Nur Werner Berlage ist neu in dieser Runde. Erst kürzlich haben ihn die Mitglieder zum Vorsitzenden gewählt. Verdient gemacht hat er sich schon in der Reparaturstube, wo er Teil jenes Teams ist, das seit 2015 hilft, kaputtgegangene Dinge vor der Mülltonne zu bewahren.

Als die drei Lindauerinnen Luise Mussack, Anneliese Spangehl und Maja Dornier vor 17 Jahren den Verein gegründet haben und die Peter-Dornier-Stiftung das Haus gekauft hat, sei das Ziel gewesen, einen generationenübergreifenden Treffpunkt zu schaffen, in dem ältere Menschen ihre Erfahrungen mit jungen Leuten teilen und Kinder das bäuerliche Leben und Arbeiten im Wechsel der Jahreszeiten lehren. Zudem sei es natürlich auch darum gegangen, das ortsbildprägende Bauernhaus samt seinem Garten zu erhalten, rekapituliert Klaus Burger die Geschichte des Vereins und des Hauses in Kurzform und erklärt, dass in diesen vielen Jahren baulich gesehen zwei Dinge passiert seien. So galt der erste Bauabschnitt dem Innenausbau, vornehmlich des Erdgeschosses mit seiner alten und neuen Küche, der großen und der kleinen Stube, dem Flur und den Toiletten. Im zweiten Bauabschnitt einige Jahre später widmete sich der Verein dem Obergeschoss, wo eine Betreuerwohnung eingebaut wurde, damit auch me hrtägige Veranstaltungen stattfinden konnten. „Jetzt versuchen wir den Rest, der dazu gehört, noch zu machen“, sagt Klaus Burger und meint damit die Sanierung der Außenhülle. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Dach und der südlichen Fassade, die mit ihren traditionellen Holzschindeln allein schon eine finanzielle Herausforderung darstellt. Während die Dachziegel selbst zwar in Ordnung sind, faulen die alten Holzschindeln an der Fassade teilweise schon ab. Damit die neuen Schindeln künftig vor Witterungseinflüssen geschützt sind, soll der Dachvorstand vergrößert werden. Hauptgrund für die Dachsanierung ist allerdings eine Wärmedämmung, denn, so weiß der frühere Chef des Stadtbauamtes, „über das Dach geht sehr viel Wärme raus“. Weil der Verein die alten Ziegel erhalten will, müssen diese erst heruntergenommen werden, bevor sie am Ende wieder drauf kommen. „Und was viel Zeit braucht kostet auch viel Geld“, sagt Burger und erzählt von früheren Zeiten , als der Verein noch einen „schlagkräftigen Bautrupp“ hatte. „Da brauchte ich keine Seniorengymnastik.“

Auch Werner Berlage, Nicola Kristukat, Roland Wierer, Hans Schweikert und Edgar Löhr betonen das Besondere dieses Hofs, den der Verein mit ganz viel Herzblut für die Lindauer erhalten hat: Sei es, dass das Anwesen seit zehn Jahren unter Denkmalschutz steht, dass es deswegen trotzdem kein totes Denkmal, kein Museum ist, sondern durch rund 150 Aktionen im Jahr belebt ist, dass das Haus eines der letzten alten Bauernhäuser in Lindau ist und dass die Reparaturstube mit ihrem Nachhaltigkeitsgedanken ganz im Trend der Zeit liegt. Ganz abgesehen von den vielen neuen Dingen, die hier in der Zukunft entstehen könnten.

Zumindest dann, wenn der Verein die Geschichte mit den Kosten in den Griff bekommt. Denn insgesamt 70000 Euro wird die Sanierungsmaßnahme kosten. Die Hälfte müsste über Fördergelder und Spenden finanziert werden, die andere Hälfte könnte, so Burger, der Verein aus eigenen Kräften stemmen. Mit Geld aus den Rücklagen und indem ein noch zu bildender vereinsinterner Bautrupp Hand anlegt. Etwa, wenn es darum gehe, Vorarbeiten für die Handwerker zu leisten. „Wir sind die Handlanger, die die Schindeln runter nehmen und den Putz abschlagen“, erklärt Edgar Löhr, der zudem darauf hofft, dass sich Jugendliche an ihre schönen Kindheitstage auf dem Hof erinnern und nun, wo der Verein ihre Hilfe braucht, mitanpacken. Darüber hinaus wird es auch einen achttägigen Einsatz der „Jugendbauhütte“ geben, einer Freiwilligenorganisation, bei der Jugendliche aus Regensburg im Stile der mittelalterlichen Bauhütten miteinander leben und arbeiten. Mit den Baumaßnahmen losgehen s oll es im Frühjahr. „Wir fangen an im April mit dem Gerüststellen und hoffen, im September das Einweihungsfest feiern zu können“, sagt Burger.

Allein kann der Verein die 70 000 Euro Sanierung nicht stemmen und bittet daher die Lindauer um Unterstützung. Erst einmal durch Spenden auf das Konto: Haug am Brückele, IBAN DE 29 7315 0000 0010 167195. Später, wenn dann der Ablauf der Bauarbeiten feststeht, auch um tatkräftige Hilfe.

 

Quelle: Lindauer Zeitung LZ  vom 7.1.2020

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